Wohnungsnachfrage-Boom auch im Umland kleiner Großstädte

Jinny Verdonck

19. August 2021

Sowohl das Umland der Metropolen als auch die Lagen rund um die kleineren Großstädte in Deutschland gewinnen an Beliebtheit.

Im Rahmen der Wohnwetterkarte 2021 haben das Analyseunternehmen Bulwiengesa und der Entwickler Bouwfonds Property Development (BPD) die Trends am Wohnungsmarkt unter die Lupe genommen. Die Wohnwetterkarte verrät anhand eines Nachfragegefälles, welche Gebiete besonders stark nachgefragt sind und welche nicht: Heiß bedeutet eine hohe Nachfrage und kalt eine geringe Nachfrage. Das Ergebnis: Die heißesten Gebiete auf der Wohnwetterkarte sind diejenigen, wo die Wohnungsnachfrage hoch ist und die Neubautätigkeit gering. Die Analyse zeigt eine Trendverschiebung von den deutschen Großstädten ins Umland. 

In vielen Großstädten Deutschlands sowie in der Mehrzahl der Ballungsräume werden nicht genügend Gebäude fertiggestellt. Dies beeinflusst die Nachfrage. Im Einzugsgebiet der Großstädte erhitzt sich das Umland. In manch einer Universitätsstadt ist das Umland laut der Analyse mittlerweile begehrter als die Städte selbst. Dies ist beispielsweise in Würzburg, Trier, Passau, Gießen und Regensburg der Fall. Doch auch in Braunschweig, Kiel, Bonn, Erfurt und Münster sei die Nachfrage groß, während die Bautätigkeit jedoch nicht genug vorankommt. Dadurch wird die Nachfrage nach draußen getrieben.

Regionen in Ostdeutschland werden beliebter

Wohnungssuchende richten ihren Blick auch mehr und mehr auf ostdeutsche Regionen. An Attraktivität gewinnen insbesondere die Städte in Ostdeutschland, die an bedeutenden Verkehrsachsen liegen. In Städten wie Cottbus, Görlitz und Bautzen zeichne sich dieser Trend erstmalig ab. 

Während sich an der Ostseeküste in Mecklenburg-Vorpommern manche Regionen immer mehr vom sogenannten Schrumpfungstrend des ländlichen Ostdeutschlands lösen, macht es deutlich, dass auch attraktive Wohngebiete auf dem Land genauso verlockend sind wie das Umland der deutschen Ballungsräume.

Es gibt auf der Wohnwetterkarte sogar Regionen, die heiß sind, obwohl sich kein großer Ballungsraum in der Nähe befindet und Universitäten allein nicht der Grund sind, wie z. B. in Ulm-Oberschwaben-Allgäu und Emsland-Cloppenburg-Vechta. Die starke Nachfrage nach Wohnraum resultiere aus der hohen Geburtenrate gemeinsam mit der starken mittelständischen Wirtschaftsstruktur. 

Hintergrund zur Wohnwetterkarte

Zur Erstellung der Wohnwetterkarte wurden sowohl die Bevölkerungsentwicklung, die Wohnungsbestände sowie die Bautätigkeit der Nachfrage gegenübergestellt. Das Ergebnis: Je geringer das Bauvolumen verglichen mit der Nachfrage, desto heißer erscheint die entsprechende Kommune. Es wurde ein 15-km-Radius um jede Gemeinde gezogen, damit ein eventueller Ausgleich zwischen benachbarten Wohnungsmärkten berücksichtigt werden kann. Insgesamt wurden für die Ermittlung der Wohnwetterkarte 11.000 Gemeinden analysiert.